Von Illmitzer Weinbauern und langen Nächten im Keller

Schon Mitte August sieht man auf den Illmitzer Straßen die ersten Ergebnisse der jährlichen Traubenernte. Auf ihren prall gefüllten Hängern bringen die Weinbauern die frühen Sorten in die örtlichen Keller zur Weiterverarbeitung. Danach bestimmt das Wetter die weitere Arbeit und man hofft stets auf eine trockene und stabile Zeit. Zuviel Wasser von oben wäre schlecht, zu wenig Regen auch. Es ist ein jährliches Zittern der Winzer um einen guten Jahrgang. Eine spannende Zeit in einer der schönsten Regionen Österreichs.

Handarbeit, die man schmeckt

Es sind staubige Tage in den Weingärten, aber auch Stunden voller Zufriedenheit. Wenn die Weinbauern die vollen, fruchtigen und kurz vor der Ernte stehenden Trauben begutachten, kommt einiges an Stolz hoch. Das Ergebnis der monatelangen harten Arbeit in den Weingärten wird endlich sichtbar. Jetzt muss nur noch der letzte Schritt vor der Arbeit im Keller klappen – die Ernte.

Egal ob händisch oder mit Lesewagen, die Traubenernte ist immer mit großem Aufwand verbunden. Der richtige Zeitpunkt gehört fixiert, organisiert und die Lese dann auch mit der passenden Mannschaft umgesetzt. Oft arbeiten hunderte ArbeiterInnen auf den Feldern rund um Illmitz und helfen den lokalen Winzerfamilien. In mühevoller Handarbeit wird nur das beste Traubenmaterial geerntet und vorsichtig in die jeweilige Scheibtruhe gelegt. Der richtige Schnitt muss gelernt sein und Vorsicht ist immer geboten, denn die Schneidewerkzeuge sind gut geschliffen und oft auch schon elektrisch betrieben und mit Akku versehen. Ist die Scheibtruhe gefüllt, wird diese auf den Lesewagen gefahren, bis er keinen Platz mehr bietet.

Gezwickt und gewerkt wird immer bis spät in die Abenddämmerung. Unterbrochen wird die Arbeit nur von der beliebten Jause im Weingarten, die zu fixen Tageszeiten stattfindet. Paradeiser, Hartwürste, Käse, Gurken, Paprika und frischer Traubensaft stärken die Mannschaft und geben neue Kraft für weitere Stunden im Weingarten.

Moderne Technik hilft

Bei Tagesanbruch, wenn das erste Licht die Felder streift, hört man schon die ersten Traktoren auf die Felder fahren. Abends wird auch schon mal mit Flutlicht gelesen – montiert auf den kraftvollen Maschinen der Bauern geben sie genug Licht, um den Lesehelfern den Weg zu weisen. Ausgeklügelte Technik rüttelt die Trauben vom Stock und arbeitet effizient ohne Schaden zu verursachen. Hier wird alles geerntet, was am Weinstock hängt – sicher oft ein Nachteil, denn nicht ganz optimales Traubenmaterial muss später auf Förderbändern händisch selektiert werden.

Ohne die technischen Hilfsmittel wäre es aber schwer möglich, hunderte Hektar Weingärten zu bearbeiten. Dennoch gehen viele Winzer den Schritt und setzen bereits im Weingarten auf behutsame und händische Selektion. Egal, ob mit moderner Technik oder traditioneller Handarbeit, die Lese verlangt viel Disziplin und Durchhaltevermögen, dauert sie doch in der Regel mehrere Wochen, bis die letzten spätreifen Trauben ihren Weg in die Keller gefunden haben.

Lange Nächte

Nachdem die Trauben in den jeweiligen Weingütern angekommen sind, geht es gleich in die Weinpresse und die eigentliche Arbeit beginnt. Lesen und Pressen geschieht oft ganz knapp hintereinander, denn die Trauben sollen schnell und ordentlich verarbeitet werden. Wie der Weinbauer nun seinen Wein „zubereitet“ und in die Flasche bringt, ist oftmals ein Geheimnis. Was kommt hinzu, wie lange lässt man die Maische liegen – dazu hat jeder seine eigene Formel – das schmeckt man dann auch in der Vielfalt des Angebots. Wer keinen eigenen Wein produziert, liefert sein Traubenmaterial einfach bei der Winzergenossenschaft ab. Dort werden die Trauben gewogen, begutachtet, die Sorte bestimmt und dann abgerechnet.

Illmitz liefert Weltmeisterweine in die ganze Welt – fruchtige Junge, starke Rote, Eiswein und auch süße Alte. Am besten kostet man sich durch und findet seinen ganz persönlichen Favoriten.

Das örtliche Tourismusbüro bietet dazu Listen mit den örtlichen Betrieben und auch Tipps zu den Veranstaltungen rund ums Thema Wein.

Prost!