Wenn die Tage wieder länger werden

Der erste Tag im Jahr. Es ist wieder ruhig. Die laute Silvesternacht ist einer unendlichen Stille gewichen. Sogar die Tierwelt scheint den Atem anzuhalten an diesem ersten Jännertag. Es ist kalt und Nebel liegt über den Feldern von Illmitz. Die Straßen sind leer, vereinzelt sieht man Menschen aus ihren Häusern gehen. Über dem Nationalparkgebiet liegt ein magischer Schleier, als würde sich die Natur auf das kommende Frühjahr vorbereiten. Die Sonne blitzt nur manchmal durch und zaubert ein goldenes Lichtfenster, das sich bei der nächsten Nebelwolke wieder verschließt. Man könnte sich verlieren in dieser schönen Ruhe, diesem Tag, an dem die Zeit still zu stehen scheint.

In den Tagen nach dem Jahreswechsel spürt man schon wieder das Leben im Dorf. Am Arteserbrunnen beim Hauptplatz tauschen Einheimische die aktuellen Neuigkeiten aus und füllen ihre Kanister mit dem heilenden Quellwasser. In den Pensionen und Hotels wird schon wieder gearbeitet, einige renovieren die Zimmer, andere kümmern sich um Marketing und Buchungen. Geputzt wird überall, es soll ja auch schön sein, wenn die Gäste wiederkommen. Vereinzelt sieht man Winterwanderer in Richtung Nationalpark schlendern, andere wärmen sich bei Kaffee und Kuchen im örtlichen Kaffee.

In den Weingärten wird jetzt Hand angelegt, die Weinbauern schneiden mit ihren Arbeitern das einjährige Holz. Die Reben bekommen ihren Winterschnitt, der Draht wird neu gespannt, Ausbesserungsarbeiten stehen an. Während der Vegetationsruhe wird Ordnung geschaffen, um bereit zu sein, wenn die Reben austreiben und andere wichtige Arbeiten anstehen.

Zwischendurch werden die ArbeiterInnen in den Autos auf den Feldern mit Tee und Kaffee versorgt, eine klassische Winzerjause darf auch in der Winterzeit nicht fehlen. Der Boden ist hart und gefroren, angenehm wenn man das richtige Schuhwerk trägt. Warme Isolationsschichten sind wichtig, wenn das Thermometer minus 5 Grad Celsius anzeigt. Die Trauben für den beliebten Eiswein wurden bereits an frostigen Dezembertagen gefroren geerntet und gepresst. Der zuckersüße goldene Saft ist beliebt und später nur in geringen Mengen zu haben.

Am Wegesrand lauern nordische Greifvögel wie die Kornweihe auf Beute, Singvögel zwitschern bereits vereinzelt in den noch kahlen Gebüschen. Manchmal fliegen große Formationen an Gänsen am Himmel, begleitet von lautem Geschnatter – man würde meinen, sie rufen bereits den Frühling herbei. Das dauert noch einige Monate, auch wenn die Tage schon etwas länger werden.