Anziehungspunkt für Familien, Wanderer und Radfahrer

Es ist ein außergewöhnlicher Ort, ein Platz an dem sich das sommerliche Morgenlicht gerne mit dem aufgewirbelten Staub der herantrabenden Eselherde vermengt und ein Staunen hinterlässt. Weiße Esel, blaue Augen und ein sandiges Gelände, auf dem sich die Vierhufer sehr wohl zu fühlen scheinen. Das Wasser des Neusiedler Sees ist nur zu sehen, wenn man den alten ehemaligen ungarischen Grenzwachturm am Sandeck besteigt. Es öffnet sich ein imposanter Blick über die Nationalpark-Naturzone bis weit hin nach Ungarn. Außerdem bietet der Aussichtsturm einen großartigen Eindruck über die Mächtigkeit des Schilfgürtels, der sich schützend um den Steppensee legt.

Das Sandeck ist der südlichste Abschnitt des Seedamms, der parallel zum Ostufer des Neusiedler Sees verläuft. Der lange Sandwall ist Teil der Nationalpark Bewahrungszone Sandeck-Neudegg wie auch der Nationalpark-Naturzone. Entstanden ist diese Bodenbeschaffenheit durch große Eisstöße des Neusiedler Sees. Der starke Nordwestwind hat hier über tausende Jahre Lockersedimente aus dem Seeboden ausgelagert. Die Illmitzer Lacken sowie Baumgruppen und Hutweiden bestimmen den Landschaftscharakter rund um das Sandeck.

Große Ohren, ein gutmütiger Blick und Augen, die fast gespenstisch wirken: die weißen Esel am Sandeck sind Besuchermagnet und Zuchtprojekt zugleich. Radfahrer, die sich auf dem Lackenradweg B20 bewegen, zieht es oft zum Sandeck, um die gutmütigen Esel – eine vom Aussterben bedrohte ungarische Haustierrasse – zu beobachten. Im besten Fall trifft man dort auch ausgebildete Ranger. Sie kümmern sich um das Wohl der Tiere und beantworten gerne die vielen Fragen der Besucher. Highlight sind oft die kleinen Jungtiere, die sich nicht weit von der Herde wegbewegen. Ein Fotomotiv, das nicht so schnell jeder hat. Die Beweidung des Sandecks ist durchaus gewollt. Sie führt zur Aufrechterhaltung der Biotopqualität in diesem Teil des Seedamms. Das Füttern der Tiere ist streng untersagt, ebenso der Aufenthalt innerhalb der abgesperrten Bereiche.

Der sandige Boden hier hat schon manchem lokalen Winzer zu Weltmeisterweinen verholfen. Die Lagen bieten beste Voraussetzungen für das Wachsen hochwertiger Traubensorten. Der Rückgang der Anbauflächen steht im Zusammenhang mit der sehr exponierten Lage der Rieden, zudem machen gefräßige Stare den Weinbauern das Leben schwer. Neben Weintrauben wächst hier auch feinster Spargel. Auf den örtlichen Speisekarten ist dieser im späten Frühjahr nicht zu übersehen: als Beilage, Suppe oder Hauptgericht – Spargel aus Illmitz ist fast schon eine Marke für sich.

Ein letzter Blick über die scheinbar endlos weite Steppenlandschaft lässt einen mit ein wenig Glück auch noch eine Herde Graurinder erspähen. Nein, wir sind nicht in Afrika, wir sind am Illmitzer Sandeck am Neusiedler See, dem wahrscheinlich zauberhaftesten Fleckchen Natur.